Masterkonzept schreiben – oder auch: Analysis Paralysis überwinden!

Mein Projekt für das nächste halbe Jahr steht fest: Communities of Practice (CoP) in einem Online-Fernlehrgang untersuchen um Wegen zu finden, Lehrgangsleitungen und TutorInnen beim Kultivieren von CoPs zu helfen. Gerade in Online-Fernlehrgängen gibt es hohe Drop-Out-Quoten. Viele kennen es auch von MOOCs nur zu gut: Ein bisschen reinschnuppern, aber dann wirklich fertig machen?

Online-Fernlehrgang an der Donau Universität Krems

Ich schaue mir genauer den Studiengang “Personalmanagement und Kompetenzentwicklung mit neuen Medien”, der an unserem Department angeboten wird. Was kann man tun, um Drop-Out-Quoten zu senken, die Studierendenzufriedenheit zu erhöhen und gleichzeitig LLL-Kompetenzen von Erwachsenen zu fördern? Communities of Practice kultivieren! CoPs sind Gemeinschaften, die netzwerkartig Wissensaustausch zu einem bestimmten Thema betreiben. Es wird gemeinsam gelernt und neues Wissen in einem Prozess sozialer Konstruktion geschaffen (vgl. P. Arnold, 2007, S. 18). Dabei werden informelles und institutionelles Lernen in Beziehung gebracht und teilhabendes Lernen praktiziert (vgl. Bliss, Johanning, & Schicke, 2006, S. 13). Das heißt es kommt zu einer Vermischung: Formelles und informelles Lernen. Erfahrungen aus Uni-Lernen und Arbeitserfahrungen sowie Erfahrungen aus Freizeit und freiwilligem Engagement. Der Mensch lernt nicht nur an formalen Bildungsinstitutionen, sondern viel mehr jeden Tag, im Alltag, in der Arbeit, in der Familie, in Vereinen oder in Eigenregie im Internet. Communities of Practice bieten eine Umgebung, um all diesen Erfahrungen Raum zu bieten und sie in Beziehung zu setzen.

Communities of Practice – Was sind Erfolgsfaktoren?

Ich bin selbst Teil von Communities of Practice, etwa in #MAWM16, meinem Masterstudiengang an der FH Burgenland, in verschiedenen Communities of Practice zum Thema Validierung, Bildungstechnologie und eLearning. Ich liebe den Austausch und besonders Twitter hat mir in der Hinsicht viel Aufschwung gegeben. Ich habe jedoch auch gemerkt, dass einige Communities of Practice, die quasi “absichtlich” gegründet werden, nicht besonders gut laufen und die Interaktionsrate sehr niedrig ist. Das hat mein Interesse geweckt: CoPs können ein mächtiges Werkzeug für Lernen und Empowerment sein, aber was braucht es, dass sie funktionieren? Was kann man tun, um diese “absichtlich” zu kultivieren? In welchem Ausmaß ist dieses absichtliche Kultivieren möglich?

Der Weg zum Masterkonzept

Masterarbeit in Progress

Masterarbeit in Progress

Der Weg zum Konzept war jedoch nicht einfach. Erst habe ich sehr lange gebraucht mich für ein Thema zu entscheiden, da hatte ich mehrere Themen im Kopf. Ich habe mit vielen Leuten gesprochen, ArbeitskollegInnen, StudienkollegInnen, FreundInnen und Familie. Nachgedacht, sacken gelassen. Am Schluss habe ich mich für das CoP-Thema entschieden, weil mir diese Art Onlinegemeinschaften sehr am Herzen liegen. Schon seit früher Jugend habe ich mich in Internet-Diskussionsforen “herumgetrieben”, das war und ist meine Welt. Jetzt will ich einen Schritt weiter gehen, und die Dynamik genauer beforschen. Ich bin schon sehr gespannt. Ich möchte mittels qualitativer Interviews näheren Einblick erlangen. Manche CoPs sind relativ exklusiv, sich da anzunähern ist gar nicht so einfach.

Analysis Paralysis

Nach der Entscheidung für das Thema ging es ans Eingemachte. Lesen, lesen, lesen. Zunächst Abstracts screenen, falls interessant auch noch Methoden und Fazit screenen. Gar nicht so einfach. Ich hatte das Gefühl,  ich muss noch mehr lesen, ich will noch mehr darüber wissen. Ich hab nur gewusst: Ich weiß, dass ich nichts weiß. Und je mehr ich gelesen habe in kurzer Zeit, umso verwirrter wurde ich. Wie passt das alles zusammen? Wie soll ich da eine klare Forschungsfrage formulieren. In zu kurzer Zeit zu viele neue Informationen. Ich habe mein Problem einem lieben Freund geschildert, der die Ähnlichkeit zu einem bekannten Anti-Pattern bemerkt hat: Analysis Paralysis. Dieses Anti-Pattern ist besonders auch in der Softwareentwicklung bekannt, aber ich finde, dass es wirklich super auf mein Problem beim Schreiben des Masterkonzepts passt.

Auf Wikipedia steht dazu:

“das übermäßige Analysieren einer Situation, wodurch das Treffen einer Entscheidung herausgezögert oder gar ganz verhindert wird. Eine mögliche Entscheidung wird dabei durch den Betroffenen als zu kompliziert, zu umfangreich angesehen, wodurch sich die Lösung des eigentlichen Problems hinauszögert und die Suche nach der „perfekten“ Lösung dieses ersetzt. Angst vor der Wahl einer suboptimalen Lösung – im Sinne des „Aussterben durch Instinkt“ (engl.: extinct by instinct), fatale Entscheidungen durch übereiltes Urteilen oder Bauchgefühl – blockiert zusätzlich den Entscheidungsprozess.”

Und ja, so hat sich das wirklich angefühlt. Perfektionismus kann beim Schreiben eines Masterkonzepts ziemlich hinderlich sein, zumindest für mich. Ich bin gesessen und habe gebrütet, die perfekte Lösung gesucht. Nachdem ich mich einigermaßen davon frei gemacht habe, ging es jedenfalls etwas besser. Mindset ist alles 🙂

 

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3 Responses

  1. Sabine says:

    Du hast einen sehr großen Schritt schon gemacht und ein tolles Thema ist es auch. Ich wünsche dir so viel Spaß bei der Masterarbeit und diese gesunde Portion Humor, wie du es bei der Entdeckung der Analysis Paralysis erfahren hast. Danke fürs Teilen!

    • isabell Grundschober says:

      Vielen Dank, Sabine! <3 Hihi, ja - Humor ist wenn man trotzdem lacht, oder wie war das? 😀 Halte dich jedenfalls am Blog am Laufenden mit den Entwicklungen . Dir auch viel Erfolg mit der Masterarbeit, muss gleich mal in deinen Blog schauen!

  1. 29. January 2018

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