Posten – Teilen – Liken: Mitmach-Apps in der Schule

Welche Apps sind am beliebtesten bei Teenagern? Was macht sie so erfolgreich und wie kann man die Funktionen in der Schule nutzen?

Gerade Web2.0-Tools, die von Jugendlichen gerne und häufig verwendet werden, finden in der Schule selten Anwendung. Im Rahmen des Vortrages für die #edudays haben Wolfgang Rauter und ich beliebte Tools und Plattformen vorgestellt. Wir haben ihre Funktionalitäten analysiert und Möglichkeiten der Einbindung in den Unterricht diskutiert. Der Vortrag wurde im Rahmen des Seamless Learning Projekts am Zentrum für bildungstechnologische Forschung erarbeitet.

Anlass für unseren Vortrag war das Jugend-Internet-Monitor 2019 von saferinternet.at.

Spannende Ergebnisse im Jugend-Internet-Monitor 2019! Youtube als beliebteste Suchmaschine für Jugendliche? Was ist mit Google & Co?

Insbesondere Video-On-Demand (VoD) Services haben ein großes Plus in der Nutzung bei Jugendlichen zu verzeichnen. Dabei handelt es sich um Video, die mich sich zu jeder Zeit ansehen kann. Anbieter sind Youtube, Netflix oder Amazon Prime. Wer sich für VoD bei Jugendlichen interessiert, dem kann ich die österreichische Studie “Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im VoD-Zeitalter” von 2018 ans Herz legen.

Aber nun zurück zu den beliebten Apps und Plattformen.

Apps, ok. Und jetzt?

Whatsapp, Youtube, Instagram, Facebook und co. sind beliebt. Aber das gibt es das DSGVO-Problem. In der Schule diese Apps zu benutzen ist damit problematisch. Dennoch ist es lohnenswert, sich diese Apps genauer anzusehen:

  • Kinder und Jugendliche nutzen diese Apps ständig in ihrer Freizeit. Sie haben ohnehin mit den Apps zu tun. Chancen und Gefahren sollte man im Unterricht zum Thema machen.
  • Die Apps verfügen über bestimmte Funktionen, die sie so beliebt und praktisch machen. Dies kann man sich auch im Schulkontext zu nutze machen: Zur Steigerung der Motivation, aber auch um digitale Kompetenzen aufzubauen.

Unsere Prezi

In unserer Prezi haben wir uns die beliebtesten Apps genauer angesehen und folgende Aspekte herausgearbeitet:

  • Basic Facts (NutzerInnenzahlen, Gründung, Altersbeschränkungen, etc.)
  • Funktionsumfang
  • USP – Unique Selling Proposition. Was macht das App so erfolgreich? Was ist sein Alleinstellungsmerkmal am Markt?
  • Einsatz in der Schule

Beliebte Funktionen

Die Apps weisen folgende Funktionen auf, die sie erfolgreich machen:

  • Suche und Strukturierung von Inhalten über Hashtags
  • Bildung von Gruppen, Gemeinschaften, virtuellen Freundeskreisen
  • Möglichkeiten Text, Bilder oder Videos einfach & schnell zu bearbeiten: Verschönern, bunter machen, lustiger machen, etc. durch Emojis, Schrift, Gifs, Filter,… (FB, Insta, Snap, Whatsapp
  • Storytelling: Du kannst mit dem “Story”-Feature (FB, Insta, Snap, Whatsapp) eine Geschichte erzählen – DEINE Geschichte.
  • Profile: Man kann seine eigene digitale Identität aufbauen. Das Profil hat Portfolio-Charakter (siehe FB, Insta, Youtube)
  • Teilen: Man kann einfach und schnell und Plattformen-übergreifend die erstellen Inhalte, Fotos, Videos teilen.
  • Reagieren: Man kann einfach und auf vielfältige Weise auf Beiträge anderer reagieren und mit ihnen in Interaktion treten (Emojis als Antwort auf Stories, Kommentare, Direct Messaging, liken)
Das Smartphone in der Hand, der Paper-Prototyp am Tisch. Digital und analog greifen ineinander. Es werden Texte, Grafiken, Bilder, Videos geschaffen und online geteilt. Dadurch kann man wertvolles Feedback bekommen.

Die MacherInnen-Generation

Bei den oben genannten Funktionen merkt man schon: Es ist eine Generation der MacherInnen. Sie gestalten ihre Identität, sie tragen in Communities bei, sie erstellen ständig neue Inhalte, Fotos, Videos. Dabei nutzen sie Material von anderen, entwickelt es weiter, machen etwas Neues daraus! Das sind die 4 Erscheinungsformen der Partizipationskultur (Jenkins):

  • Expression: Wir drücken uns aus in dem wir Texte schreiben, Fotos machen, Bilder zeichnen, Gifs erstellen, Videos machen.
  • Affiliations: Wir sind Rudeltiere! Und heutzutage gehört man vielen verschiedenen, teilweise virtuellen, Gruppen an. Die Apps und Plattformen haben starken Netzwerkcharakter, den den Zusammenschluss erleichtert (Gruppen-Funktionen, Hashtags, etc.)
  • Collaboration: Wir erstellen gemeinsam! Bestes Beispiel: Wikipedia, WikiHow oder auch Jodel. Dabei werden gemeinsam Inhalte erstellt, Wissen festgehalten und neue Erkenntnisse können entstehen.
  • Circulation: Wir teilen. Ständig. Bestes Beispiel: Die Working-Out-Loud Community. Teilen was man tut und denk, damit man Feedback bekommt, in der Community etwas beitragen kann oder zeigen kann, wer man ist (digitale Identität).

Und in der Schule?

Wie bereits beschrieben gibt es in der Schule das DSGVO-“Problem”. Es gibt jedoch durchaus ein paar Open-Source-Varianten, die die oben beschriebenen, populären Funktionen anbieten. Am sichersten ist nämlich, wenn man die Daten am eigenen Server hat.

Mattermost/Rocketchat

Schon mal von Slack gehört? Mattermost und Rocketchat sind die Open-Source Varianten dazu. Folgende populäre Funktionen werden abgedeckt:

  • Nutzung von Hashtags für Strukturierung/Tagging
  • Gruppenfunktion (in Gruppen zu Themen austauschen in Channels)
  • Teilen: Man kann unkompliziert Dokumente, Bilder, Videos teilen
  • Reagieren: Liken, Emojis zum Ausdruck des Gefühls zu einem Beitrag (direkt zum Beitrag), kommentieren möglich

Besonder praktisch sind Mattermost oder Rocketchat bei Gruppenarbeiten.

Etherpad

“Etherpad is a highly customizable Open Source online editor providing collaborative editing in really real-time.” (https://etherpad.org/ )

Open Source Variante zu Google Docs. Unkompliziert, intuitiv gemeinsam an Dokumenten arbeiten. Von Etherpad kann man problemlos in verschiedenen Formaten die Ergebnisse exportieren (Word, PDF, etc.). Etherpad deckt nicht unbedingt populäre Funktionen ab – am ehesten “reagieren” – es ist klar sichtbar, wer welche Beiträge erstellt hat und man kann unkompliziert auf diese Bezug nehmen, sehr dynamisch. Auch “teilen” kann man indem mach im Etherpad Bilder, Dokumente oder andere Dateien einfügt. Grundsätzlich unterstützt das Etherpad aber die Partizipationskultur, indem

  • Das Erstellen von Dokumenten online unterstützt wird (Expression)
  • Das Teilen unkompliziert durch Links möglich ist (Circulation)
  • Gemeinsam und synchron gearbeitet werden kann (Collaboration)

Flipgrid

Feedback flippen mit Flipgrid! So geht Feedback online. Nicht Open-Source, sondern Teil von Microsoft ist Flipgrid. Man nimmt ein kurzes Video auf, ähnlich wie bei Insta oder Snap und teilt es. Andere können auf das Video mit einem Antwortvideo reagieren. Die Lehrperson moderiert das ganze. Folgende populäre Funktionen werden durch Flipgrid unterstützt:

  • Videos/Bilder kreativ bearbeiten, verschönern, lustig machen –> unterhaltsam
  • Bildung einer (geschlossenen) Gruppe zu einem Thema mit Flipgrid, zB. es gibt verschiedene Arbeitsgruppen in einer Klasse mit je einem Themengebiet. Sie haben jeweils eigene Gruppen auf Flipgrid zum Austausch.
  • Storytelling: Man kann in den Videos etwa Referate halten, über Erfahrungen bei Exkursionen berichten, über Projekte berichten, etc.
  • Teilen: Man kann Videos unkompliziert mit einem gewissen Personenkreis in einer Gruppe teilen.
  • Reagieren: Man kann auf Flipgrids mit Emojis und/oder Antwortvideos reagieren

Insgesamt ist Flipgrid ein frisches Format und unterstützt auch flipped-classroom bzw. blended learning Unterrichtssettings. Flipgrid wurde von Microsoft verkauft und soll über Microsoft Educators angeboten werden. Es ist auch möglich, sich über Microsoft anzumelden auf Flipgrid. Microsoft ist sehr um die Datensicherheit bemüht. Hier gibt es die Datenschutzerklärung von Flipgrid: https://legal.flipgrid.com/privacy.html.

Kennt ihr noch andere, interessante Apps für die Schule?

Kennst du Apps, die populäre Funktionen unter Jugendlichen anbieten, aber dennoch der DSGVO entsprechen? Dann bitte ich um einen Kommentar! 🙂

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2 Responses

  1. Sabine says:

    Superwichtig finde ich das Bewusstmachen von Alternativen, gerade Open Source. Danke für diesen Einblick!

  1. 16. April 2019

    […] in der Schule von Isabell Gruber und Wolfgang Rauter, Nachlese hier und hier Viel Bekanntes, aber auch Neues wie […]

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