Was sind Lernergebnisse? Was sind Lernziele?

Lernziele Sketchnote

Lernziele und Lernergebnisse – meine erste Sketchnote mit dem Surface 🙂

Als ich bei der Präsenzphase für den Lehrgang Digital Publishing in Education unterrichtet habe, ist mir etwas aufgefallen: Es gibt Verwirrung um die Begriffe Lernergebnis und Lernziele. Lernziel, das ist ein Begriff, der oft genutzt wird, aber selten hinterfragt, was er wirklich bedeutet.

Lernergebnis hingegen ist ein Begriff, der recht gut ausdefiniert ist. Schauen wir uns genauer an, was die beiden Begriffe bedeuten und wie sie zusammenhängen!

Definition von “Lernergebnis”

Bei Lernergebnissen handelt es sich um Wissen, Fähigkeiten und Kompetenzen, die am Ende des formalen, non-formalen oder informellen Lernprozesses von den Lernenden demonstriert werden können. (vgl. Cedefop, 2014, S. 73f)

Beim Lernergebnis stehen also die Lernenden im Mittelpunkt: Was sie wissen & können!

Es gibt verschiedene Arten von Lernergebnissen:

  • Angestrebte Lernergebnisse, die zu Beginn einer Lernphase festgelegt werden.
  • Dann kann ich am Ende meiner Lernphase prüfen: Was sind meine erreichten Lernergebnisse? Habe ich die angestrebten Lernergebnisse erreicht?
  • Habe ich vielleicht auch andere, nicht angestrebte Lernergebnisse erreicht?

Der Lernprozesse ist für jeden Menschen anders, nicht komplett durchplanbar und kontrollierbar. Es wird individuell konstruiert und neue Erfahrungen mit alten Erfahrungen in Verbindung gebracht. Klar, dass da die Ergebnisse von dem abweichen können, was geplant war! Lernen passiert überall, in der Schule, zuhause, am Arbeitsplatz, bei den Pfadfindern, im Freiwilligendienst, etc.

Lernziele? Lehrziele?

Von was sprechen wir eigentlich, wenn wir Lehrziele oder Lernziele sagen? Ist das das selbe wie Lernergebnisse?

Lernziele und Lernergebnisse werden oft synonym benutzt, das ist okay.

Lehrziele jedoch nicht mit Lernergebnissen gleichzusetzen, das wäre unpassend. Lehrziele betreffen die Lehrperson und was diese im Unterricht durchbringen möchte. Lehrziele orientieren sich im besten Fall an den angestrebten Lernergebnissen.

Im englischen wird weiter unterschieden, zwischen einem “weiten Lehrziel” (=aim), einem “feineren Lehrziel” (=objective) und dem Lernergebnis (=learning outcome).

A aim is ‘a broad statement of teaching intention

An objective is usually a specific statement of teaching intention

A learning outcome is what student is able to do at the end of a learning period. (Cedefop 2017, S. 31f.)

Resümee

Lernergebnisse sind gut ausdefiniert und lernendenzentriert. Wichtig ist, dass dabei eine kompetenzorientierte, konstruktivistische Sichtweise dahinter steht. Ich empfehle den Begriff “Lernergebnisse” zu benutzen, da damit Missverständnisse vermieden werden können. Man kann durchaus Lernziel als Synonym verwenden, wenn einem das sympathischer ist. “Lehrziel” ist jedoch etwas anderes und sollte nicht synonym für “Lernergebnis” verwendet werden.

Literatur

Baumgartner, P. (2011): Taxonomie der Unterrichtsmethoden. Ein Plädoyer für didaktische Vielfalt. Waxmann: Münster

Cedefop (2017). Defining, writing and applying learning outcomes: a European handbook. Luxembourg: Publications Office. http://dx.doi.org/10.2801/566770

Krathwohl, D. (2002): A Revision of Bloom’s Taxonomy: An Overview, Theory Into Practice, 41:4, 212-218, retrieved from http://ocw.metu.edu.tr/pluginfile.php/9009/mod_resource/content/1/s15430421tip4104_2.pdf on August 01, 2018.  (von Bloom zu Kathwohl)

You may also like...

2 Responses

  1. Gerald Ebel says:

    Guten Tag, und vielen Dank für die Übersicht. Eine Frage habe ich: Ich lese im Resümee: “Lernergebnisse sind gut ausdefiniert und lernendenzentriert.” Gleichzeitig lese ich: “Klar, dass da die Ergebnisse von dem abweichen können, was geplant war!” In meinem Verständnis sind Lernergebnisse daher nicht gut ausdefiniert. Wer sollte diese Arbeit dieses ausdefinieren übernehmen, wenn sich formelles und informelles Lernen in einem Modul vermischen. Ich fände es näherliegend, wenn das Lernergebnis am Ende der Lernphase darstellt. Da wir als Lehrende aber keine “Vermessung” der Studierenden am Anfang und Ende des Lernphase in allen denkbaren Dimensionen vornehmen können (dieses Vermessung würde im übrigen auch wieder eine Planung des “zu Vermessenen” voraussetzen), würde ich das Lernergebnis tatsächlich als von außen nicht erfassbar bezeichnen. Maximal in einer Reflexion des Studierenden kann man (auch wieder subjektiv und adressatenbezogen) den Lernprozess erfassen.
    Ich würde mich über Feedback Ihrerseits zu meiner Überlegung sehr freuen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Gerald Ebel

    • isabell Grundschober says:

      Guten Abend, vielen Dank für den Kommentar und den Austausch zum Thema!

      “Lernergebnisse sind gut ausdefiniert und lernendenzentriert.” –> hier beziehe ich mich auf die intendierten Lernergebnissen (=Lernziele).
      Bei “Klar, dass da die Ergebnisse von dem abweichen können, was geplant war!” beziehe ich mich auf die tatsächlich erreichten, aber nicht intendierten Lernergebnisse. Das heißt nicht, dass man nicht auch retrospektiv möglich gut ausdefinierte Lernergebnis-Sätze für diese nicht-intendierten Lernergebnisse schreiben kann. Verwirrung löst hier vermutlich die Bezeichnung “Ergebnisse” aus – hier habe ich mich nicht klar genug ausgedrückt. Ich meinte die Gesamtheit der Lernergebnisse am Ende einer Lernphase, die in den Lernartefakten sichtbar werden. Es ist wahrscheinlich, dass sich in diesen Artefakten nicht nur die Erreichung der angestrebten Lernergebnisse widerspiegelt, sondern auch weitere Lernergebnisse (z.B. für fächerübergreifende Fähigkeiten wie digitale Kompetenz, Informationskompetenz, Innovationskompetenz, autonomes Lernen, Kommunikationskompetenz, etc.). Ich denke nicht, dass es möglich ist, alle Lernergebnisse, die am Ende der Lernphase erreicht werden, bereits im Vorhinein zu definieren (individueller Lernweg, Vorerfahrungen etc). Es ist auch nicht notwendig. Im Zentrum des Lern- /Lehrszenario steht meist ein begrenztes Set von Lernergebnissen, die am Ende gezeigt werden sollen, was nicht heißt, dass dabei nicht noch Anderes gelernt wird, das man am Schluss der Lernphase wertschätzen kann.

      Damit verstehe ich die intendierten Lernergebnisse wie eine Art Standard (selbst gesetzt und/oder durch Lehrplan). Diese bestimmen auch die Aktionen, die im Lernprozess gesetzt werden. Die Lernartefakte, die dabei entstehen zeigen im besten Fall die Erreichung der zu Beginn definierten Lernergebnisse, aber wahrscheinlich auch andere Lernergebnisse, die man wertschätzen kann und auf die die Lernenden stolz sein können.

      Eine individuelle Feststellung des Lernzuwachses (Pre- und Posttest) in allen erdenklichen Bereichen ist tatsächlich kaum durchführbar, sehr aufwändig und nicht praktisch im Alltag. Es ist auch fraglich, ob dies überhaupt immer sinnvoll wäre. Wie von Ihnen vorgeschlagen, denke ich auch, dass durch die Reflexion am Ende des Lernprozesses zumindest subjektiv der individuelle Lernzuwachs durch die Lernenden selbst festgestellt werden kann. Und dies ist ein wichtiger Aspekt des autonomen Lernens.

      Mit besten Grüßen,

      Isabell Grundschober

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *