Was tun gegen unpassende Lernergebnisse?

Lernergebnisse werden immer öfter bei der Unterrichtsplanung und -umsetzung genutzt. Dabei gib es viele Chancen und auch Herausforderungen bzw. Gefahren. Schauen wir uns ein Problem aus der Praxis genauer an. Was kann man tun, wenn intendierte Lernergebnisse während der Lernphase plötzlich keinen Sinn mehr machen? Wieso kommt es überhaupt dazu?

Ziele stecken, Strategien zur Erreichung finden, Ergebnisse bewerten

Lernziele setzen und Strategien finden
Lernziele setzen und Strategien finden, um zum Ziel zu kommen. Bild von Manfred Steger auf Pixabay.

“Wer nicht genau weiß, wohin er will, braucht sich nicht zu wundern, wenn er ganz woanders ankommt.”

Robert F. Mager

Gut, klingt einleuchtend grundsätzlich. Sobald man sich ein Ziel steckt, das intendierte Lernergebnis, kann man überlegen, wie man dort hin gelangt. (Übrigens den Unterschied zwischen Lernergebnis und Lernziel habe ich hier behandelt)

Lernergebnisse: A Moving Target?

Der Lernprozess ist dynamisch und höchst individuell. Was ist, wenn sich das unmittelbare Lernziel plötzlich verändert? Während der Lernphase wird klar, dass die ursprünglichen geplanten Lernergebnisse nicht mehr relevant sind. Welche Gründe könnte es dafür geben?

Was war das Ziel nochmal? Wie hängen die Ziele zusammen?
Bild von Manfred Steger auf Pixabay

Lernendenperspektive

Man hat sich sein Ziel gesteckt und steckt mittendrin im Lernprozess. Und plötzlich merkt man: Mist. Eigentlich muss ich erst X, Y und Z lernen, bis ich irgendwann zu meinem eigentlichen Ziel komme. Das wäre die Lernendenperspektive.

Lehrendenperspektive

Aus Lehrendenperspektive wäre es wohl eher so: Mist, meine Lernenden bringen eigentlich X, Y und Z mit und bräuchten in dieser Lernphase eigentlich ganz andere Ziele. Das wäre ein Problem in der Einschätzung des Vorwissens.

Oder es könnte auch so lauten: Mist, meine Lernenden wollen eigentlich etwas ganz anderes erreichen, wollen Problem X, Y und Z lösen, und nicht das, was ich mir eigentlich dachte. Das wäre ein Problem in der Einschätzung der Relevanz der intendierten Lernergebnisse.

Dies kommt in der Erwachsenenbildung öfter vor, da die LernerInnen-Gruppen relativ heterogen sind und die Lernenden aus einem großen Pool von Erfahrungswissen schöpfen.

Die ursprünglichen geplanten Lernergebnisse wirken künstlich

Mit “Unterrichts-Konserven” wird man gerade in solchen Settings nicht viel erreichen bzw. sind die fixierten intendierten Lernergebnisse für die Lernenden nicht relevant und zufriedenstellend.

Wenn dann auch noch für die Lernenden klar wird, dass das ganze Lern- und Lehrsetting anders sein müsste – da ist die Frage, was das Festhalten daran noch bringt. Der Blick auf die ursprüngliche Modul- oder Programmbeschreibung zeigt, dass das ja eigentlich Schnee von gestern ist. Auf die “alten” Lernergebnisse immer wieder zu verweisen oder versuchen diesen trotzdem gerecht zu werden wirkt künstlich. Rein diese fixen Lernergebnisse abzuprüfen und sichtbar zu machen am Schluss ist eher wenig zufriedenstellend. Lernende und/oder Lehrende sind schon einen Schritt weiter, und zwar auf Meta-Ebene bezüglich der Planung und Organisation des Lernprozesses – und das was am Schluss gezeigt/gekonnt werden soll. Das ist Lernen, wie man lernt par Excellence.

Was tun?

Zum einen hilft es, ein übergeordnetes, eher grobes Lernergebnis für eine Lernphase (ein gewisser Zeitraum, zB eines Projekts, eines Moduls, eines Seminars, etc) zu definieren.

Offenheit für individuelle intendierte Lernergebnisse

Untergeordnete Lernergebnisse, also solche, die helfen, das übergeordnete Lernergebnis zu erreichen, können das individuell definiert werden. Damit kann man zumindest bis zu einem gewissen Grad den Lernprozess flexibler halten. Vorab zu eng definierte Lernergebnisse führen zu einer recht starren Lehr- und Lernplanung und im schlimmsten Fall zu Teaching-to-the-Test.

Platz für nicht-intendierte Lernergebnisse

Zum anderen, hilft es, wenn auch nicht-intendierten Lernergebnisse Platz eingeräumt wird. Sprich: Während einer Lernphase wird verschiedenes erlernt, das hängt von den individuellen Lernwegen und dem Vorwissen der Lernenden ab. Diesen Raum geben, den Lernenden die Möglichkeiten geben diese weiteren Lernergebnisse zeigen zu können und die Ergebnisse zu schätzen und in den weiteren Lernprozess einzubeziehen – das motiviert und unterstützt den individuellen Lernweg und autonomes Lernen.

Tipp: Genaue Zielgruppenanalyse bei ersten Definition der geplanten Lernergebnisse

Eine genaue Analyse der Zielgruppe hilft, wenn man passende Lernergebnisse von Beginn an definieren will. Dafür eignet sich etwa der Persona-Ansatz, den ich in einem anderen Blogpost für das Projekt DigiCulTS beschrieben habe. Eingebettet werden dann die Ergebnisse der Analyse in einen Planungs- und Evaluationsprozess, wie etwa im ASSURE-Modell beschrieben:

Deine Erfahrungen?

Was sind deine Erfahrungen mit der Anwendung von Lernergebnissen für die Planung und Umsetzung von Lehr- und Lehrsettings bzw. -umgebungen? Ist es schon einmal passiert, dass plötzlich die intendierten Lernergebnisse unpassend oder gar überflüssig waren? Wie hast du darauf reagiert?

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